Geothermie-Markt in Ostafrika / Kenia

Aktuell wird die Erschließung von Kenias mehr als 10 GWe-Geothermiepotential sehr aggressiv verfolgt; nicht zuletzt auch durch die Unterstützung internationaler Geber, mit der die von der kenianischen Regierung eingesetzten Mittel um ein Vielfaches gehebelt werden können. Es gibt eine klare Ausbauperspektive. Alle Standorte befinden sich in Kenias Teil des großen afrikanischen Grabenbruchs. Das Produktionsdrehkreuz ist Olkaria, wo Mitte der 1980er-Jahre die Erschließung der Geothermie in Kenia begann (südlicher Graben; Potential 1.000-1.600 MWe). Dort sind zurzeit knapp 600 MWe an Kraftkwerkskapazitäten installiert; in den vergangenen zwei Jahren hat die installierte Kapazität stark zugenommen. Das staatliche Unternehmen zur Erschließung von Geothermie in Kenia (Geothermal Development Company Ltd., GDC), führt zurzeit Bohrungen in Menengai durch (zentraler Graben; Potential 100-105 MWe). Weitere Erschließungen finden statt im

 

  • Nördlichen Grabenbruch

- Korosi, 450 MWe, Bohrungen in 2015

- Paka, 500 MWe

- Bogoria-Silali, 3.000 MWe, sechs Firmen aus China, Kenia, Südafrika, U.S.A. sind in der engeren Auswahlliste zur Errichtung von Kraftwerkskapazitäten i.H.v. 200-800 MWe

 

  • Südlichen Grabenbruch

- Baringo-See, 200 MWe, zwei Bohrungen durch GDC in 2015

- Logonot, 750 MWe, geplante Kraftwerkskapazitäten bis 2018 i.H.v. 70 MWe

- Suswa, 600-750 MWe, aktuell 25 Interessensbekundungen von internationalen Unternehmen/ Konsortien zur Errichtung von Kraftwerkskapazitäten i.H.v. 150-300 MWe

 

  • Zentraler Grabenbruch

- Eburru, 60-200 MWe, 2,5 MWe thermische Energienutzung

- Korosi, 450 MWe, Bohrungen durch GDC in 2015

Weiteres Potential ohne aktuelle nennenswerte Aktivitäten in Arus/ Bogoria-See (400 MWe), Emuruangogo (650 MWe), Magadi-See (100 MWe), Namarunu (400 MWe).

GDC tritt als Feldentwickler (Erforschung, Bewertung, Bohrung, Vertrieb thermischer Energie – hauptsächlich für die Gebiete Olkaria, Menengai, Paka, Silali, Bogoria) auf. GDC verkauft die gewonnene Energie an Abnehmer wie den staatlichen kenianischen Energieerzeuger (KenGen) oder an unabhängige Stromproduzenten (IPPs). Diese verkaufen wiederum die erzeugte Elektrizität an den staatlichen Stromversorger (Kenya Power and Lightning Company Limited, KPLC) oder andere direkte Abnehmer via Stromabnahmevertrag (PPA).

GDC führt selber Bohrungen durch bzw. lässt durchführen und hält ebenfalls eigene Bohranlagen vor bzw. mietet sie. Bei den Vorhaben werden oft Öffentlich-Private-Partnerschaftsmodelle (PPP) mit der GDC bevorzugt. Aber auch für die gesamte Wertschöpfungskette, angefangen bei der Erkundung bis zur Produktion von thermischer Energie, können private Unternehmen Konzessionen erhalten, wie z.B. Mitte August 2015 die Akiira Geothermal Ltd., für die Munich Re das Bohrrisiko versichert. Seit den 1990er-Jahren hat die private Finanzierung in diesem Sektor zwar zugenommen, öffentliche Finanzierung steht jedoch bei weiterhin knapp 80%.


Äthiopien
Neben Kenia ist vor allem Äthiopien ein zunehmend interessanter Geothermie-Markt: Das Stromerzeugungspotenzial auf Basis von Geothermie wird in Äthiopien auf mehr als 5 GW geschätzt.
Bislang besteht ein 7 MW-Kraftwerk in Aluto Langano, das mit finanzieller Unterstützung der Japaner und der Weltbank errichtet worden ist. Bis 2015 soll dieses Kraftwerk auf das Zehnfache seiner Kapazität, d.h. auf 70 MW erweitert werden.
Eine interessante Entwicklung ist, dass sich der Stromsektor, der bislang zu 100% in Händen des staatlichen, komplett integrierten Monopolisten Ethiopian Electric Power Corporation (EEPCO) lag, gegenüber Privatinvestoren öffnet. Grund ist sicherlich, dass der Ausbau der gegenwärtigen Gesamtkapazitäten auf 30 GW bis zum Jahr 2020 nur bewältigt werden kann unter Einbeziehung des Privatsektors. So gibt es eine Vereinbarung zwischen der privaten isländischen Reykjavik Geothermal (RG) und der äthiopischen Regierung, ein 1 GW-GeothermieKraftwerk (in 2 Phasen mit jeweils 500 MW) zu errichten und zu betreiben. Im März 2014 hat die RG mit der bereits erwähnten „Geothermal Risk Mitigation Facility“ (GRMF) eine Zuschuss-Vereinbarung über Bohrungen in der Region Corbetti getroffen.


Tansania
Tansania ist neben Kenia die leistungsstärkste Volkswirtschaft in der Region Ostafrika. Laut der Bank of Tanzania betrug das durchschnittliche Wirtschaftswachstum 7% seit dem Jahr 2000. Entsprechend steigt auch natürlich die Elektrizitätsnachfrage: Prognosen zufolge soll diese bis 2030 um mindestens 11,9% pro Jahr (im Falle eines niedrigen Wirtschaftswachstums) bzw. um bis zu 15,3% pro Jahr (im Falle eines hohen Wirtschaftswachstums) steigen. Dies bedeutet, dass die aktuelle Stromproduktion von 5.653 GWh auf mindestens 47.724 GWh bis 2035 zunehmen muss (im Referenzszenario, d.h. 6,6% Wirtschaftswachstum pro Jahr über 14 Jahre).
Bis 2035 sollen zusätzlich 8990 MW Erzeugungskapazitäten an das Hauptstromnetz angeschlossen werden, um die steigende Nachfrage zu bedienen und alte Stromerzeugungseinheiten zu ersetzen. Den Hauptanteil an den zusätzlichen Kapazitäten soll auf Wasser- und Kohlekraftwerke entfallen. Geothermie wird aber auch eine bedeutende Rolle beigemessen, um zum einen unabhängiger zu werden von der saisonal stark schwankenden Wasserkraft und auch um den Anteil erneuerbarer Energien auszubauen.
Das Geothermie-Potenzial in Tansania ist vielversprechend, wenngleich weit geringer als in Kenia und Äthiopien. Die AfDB unterstützt mit 25 Mio. USD. Geothermie-Investitionen. Die Geothermal Power Tanzania (GPT) plant, 350 Mio. USD in Bohrungen bzw. die Erschließung von Geothermiefeldern im Süden des Landes zu investieren, um schließlich bis 2018 Stromerzeugungskapazitäten von 140 MW errichten zu können. In 2013 wurde die ersten 2 Bohrlöcher in der Region Mbeya angelegt, bei denen man auch fündig geworden ist. Für dieses Jahr (2014) ist die Installation eines modularen Kraftwerks mit der Leistung von 2 MW angekündigt, um die bereits gefundenen Ressourcen unmittelbar nutzen zu können, ohne auf die komplette Erschließung des Geothermiefeldes und die Errichtung des Groß-Kraftwerks warten zu müssen.
Geothermal Power Tanzania Ltd. hat 6 Lizenzen zur Erschließung von Geothermie-Ressourcen und gehört zu 70% der Geothermal Power Ltd., einer in Mauritius registrierten Firma. Die anderen 30% verteilen sich auf die anderen Anteilseigner, die Tanzania Development Corp. Und die Interstate Mining & Minerals Ltd. Tanzania.


Marktchancen für deutsche KMU
Marktchancen gibt es entlang der gesamten Wertschöpfungskette, angefangen mit Bohr-Equipment über Leitungen (für Dampf mit Temperatur von 400 Grad) hin zu Kraftwerkstechnologien (einschließlich Turbinen, Kühlanlagen) und zu Netztechnologien. Von Interesse sind in diesem Zusammenhang die modularen Kraftwerke, mit denen die GDC und KenGen in Kenia wie auch die GPT in Tansania erschlossene Geothermie-Ressourcen so schnell wie möglich nutzen möchte, ohne auf die Erschließung eines gesamten Gebietes für die Betreibung eines Mehr-Hundert-MW-Kraftwerks warten zu müssen. Allerdings werden diese Projekte tendenziell als IPP
ausgeschrieben, d.h. die Finanzierung muss mitgebracht werden.
Das Gleiche gilt für Bohrausrüstungen. Die Geothermal Development Corporation hat mehrfach großes Interesse an deutschen Bohrtürmen geäußert. Entsprechende Liefergeschäfte sind aber nur möglich, wenn Deutschland finanziert. Die Herausforderung besteht an dieser Stelle, dass Exportkredite nur mit einer ECA-Deckung gegeben werden; die Deckungspolitik der Bundesregierung für Kenia erlaubt
hingegen nur die Deckung „kleiner Transaktionen“. Andere Kreditversicherungs-Gesellschaften wie die italienische SACE sind in Kenia bereits recht aktiv und flexibel. Die meisten Bohrtürme, die bei KenGen und GDC im Einsatz sind, sind daher derzeit noch aus den USA oder aus China, jeweils von diesen beiden Ländern finanziert.
Abgesehen von der Qualität, werden Wettbewerbsvorteile deutscher Anbieter (besonders gegenüber chinesischen Konkurrenten) darin gesehen, dass sie i.d.R. lokales Personal trainieren und entsprechend Wissen vor Ort aufbauen. Zudem wird geschätzt, dass deutsche Unternehmen tendenziell bestrebt sind, lokale Firmen einzubeziehen.
Grundsätzlich von Vorteil ist, dass die deutsche KfW Entwicklungsbank von Beginn an Kenia bei der Erschliessung seiner Geothermie-Ressourcen unterstützt. Nachdem sie bereits den ersten Ausbau von Olkaria I mit-finanziert hat, ist sie am weiteren Ausbau von Olkaria I und am Bau von Olkaria IV (zusammen 280 MW) beteiligt, auch wenn ihr Beitrag wesentlich kleiner ist als der von anderen Gebern wie JICA, Weltbank und AFD). Im Juli 2014 wurde mit der GDC ein Kreditvertrag über 80 Mio. EURO zur Finanzierung von Bohrleistungen in Bogoria-Silali unterzeichnet.
Leider kommen deutsche Unternehmen nicht immer zum Zug, da Finanzierungen durch internationale Geber nicht liefergebunden sein dürfen. Allerdings sollten deutsche Unternehmen im Vorfeld zu Ausschreibungen aktiv das intensive Gespräch mit der KfW suchen, um über ihre Lösungen bzw. Pakete und deren Vorteile zu informieren.